Wenn KI das Schreiben erleichtert, steigt das Volumen. Stimmt das wirklich?

6. Oktober 2026

Arbeitsplatz mit zwei Bildschirmen und juristischen Texten

In der aktuellen Fachdebatte wird oft gewarnt: Der KI-Einsatz führe zu einer unkontrollierbaren Flut an Texten. Schriftsätze würden ausufern und Gerichte lahmlegen; man ruft nach Seitenbegrenzungen. Doch Hand aufs Herz: Ist dieses Problem wirklich neu?Wer die juristische Praxis kennt, erinnert sich an Schriftsätze aus der Prä-KI-Ära: Unterzeichnet von einem Kanzleipartner, aber zusammengeschustert aus den Textbausteinen mehrerer Associates. Das Ergebnis waren oft seitenlange Aneinanderreihungen kopierter Urteilspassagen, angereichert mit assoziativen Schachtelsätzen – und am Ende blieb die Frage: Was davon ist für diesen konkreten Fall eigentlich relevant?Der Hang zur Länge war nie ein Technologie-Problem. Er war ein Effizienz- und Methodik-Problem. Gute KI-Tools im juristischen Bereich verhalten sich genau umgekehrt, wenn man sie richtig nutzt:- Sie strukturieren komplexe Sachverhalte präzise.- Sie filtern Ablenkungen heraus und verdichten Argumente auf den Punkt.- Sie helfen dabei, Komplexität zu reduzieren, statt sie durch Textmasse zu kaschieren.Ein generierter Mammut-Schriftsatz entsteht nicht durch die KI, sondern durch schlechte Prompts und fehlende kuratorische Schärfe des Anwalts. Was wir wirklich brauchen, ist keine starre Begrenzung der Seitenanzahl. Wir brauchen einen Qualitätsanspruch, der Klarheit und Prägnanz belohnt – egal, ob der Text mit Füllhalter, Diktiergerät oder Prompt formuliert wurde. Ein gut strukturierter, KI-unterstützter Schriftsatz, der auf den Punkt kommt, ist jedenfalls oft eine echte Wohltat gegenüber dem klassischen Aufblähen von Schriftsätzen durch "natural intelligence".

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