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Der Röntgenleitfaden (2026) der Gesellschaft für Pferdemedizin (GPM) ist ein tierärztlicher Standard für die röntgenologische Beurteilung bei der Kaufuntersuchung. Es werden Abweichungen von der Normalanatomie mit Befundziffer beschrieben und mit „Risiko bekannt“ oder „Risiko unbekannt“ gekennzeichnet. Rechtlich ist ein Röntgenbefund nicht automatisch ein Sachmangel: Der BGH hat entschieden, dass ein klinisch unauffälliges Pferd nicht schon mangelhaft ist, weil es von der „physiologischen Norm“ abweicht und nur eine geringe Wahrscheinlichkeit besteht, dass es künftig klinische Symptome entwickelt (BGH, 07.02.2007 – VIII ZR 266/06, NJW 2007, 1351).
Ist ein Röntgenbefund automatisch ein Sachmangel?
Nein, jedenfalls solange das Pferd klinisch unauffällig ist, für die vertraglich vorausgesetzte Verwendung geeignet bleibt und nichts anderes vereinbart ist. Anders ist es, wenn der Befund zu Symptomen führt oder die Parteien eine bestimmte Befundfreiheit vereinbart haben.
Was bedeuten Kissing Spines oder Chips für den Kaufvertrag?
Sie sind Risikofaktoren. Der BGH hat entschieden, dass auch bei einem Kissing-Spines-Befund ohne Krankheitssymptome „Rittigkeitsprobleme“ weder Sachmangel noch Mangelerscheinung sind, solange nichts anderes vereinbart ist (BGH, 27.05.2020 – VIII ZR 2/19). Käufer sollten daher Befunde ausdrücklich vertraglich regeln.
Was hat sich 2018 geändert?
Die Einteilung in Röntgenklassen entfällt. Der Tierarzt beschreibt jeden abweichenden Befund einzeln und bewertet das Risiko. Käufer und Verkäufer sollten im Vertrag festhalten, welche Befunde akzeptiert werden.
Kann ich Röntgenbefunde im Vertrag ausschließen?
Ja, durch eine Beschaffenheitsvereinbarung, etwa „Das Pferd ist frei von Befunden im Bereich X“. Je klarer die Formulierung, desto geringer das Streitrisiko; eine stillschweigende Vereinbarung nimmt der BGH nur in sehr eindeutigen Fällen an.
